top of page

10 häufige Fehler bei der Bepflanzung

  • 12. März
  • 7 Min. Lesezeit

Eine Wiesenbepflanzung voller leuchtend roter und blauer Blumen


Die Bepflanzung gehört zu den emotional wirkungsvollsten Elementen eines Gartens. Viele Gärten entfalten ihr volles Potenzial nicht, nicht wegen der Pflanzen selbst, sondern weil sie schlecht ausgewählt oder angeordnet wurden.


Im Folgenden zeigen wir einige der häufigsten Fehler bei der Bepflanzung sowie die Gestaltungsprinzipien, mit denen sie sich vermeiden lassen.


1) Die Funktion der Pflanzen wird nicht berücksichtigt


Wenn die Bepflanzung im Garten schiefgeht, liegt das Problem selten an den Pflanzen selbst.

Schwierigkeiten entstehen, wenn Pflanzen ausgewählt werden, ohne ihre Funktion zu berücksichtigen. Also ohne zu bedenken, welche Rolle sie innerhalb der gesamten Bepflanzung spielen und wie gut sie mit den Standortbedingungen zurechtkommen.


In der Praxis beginnt die Pflanzplanung nicht mit der Auswahl einzelner Pflanzen. Sie beginnt mit der Frage, welche Aufgaben die Bepflanzung im Garten erfüllen soll, welche Rolle sie übernehmen soll und welche Stimmung oder Atmosphäre sie vermitteln soll.


  • Soll sie Privatsphäre schaffen?

  • Kanten und klare Linien weicher wirken lassen?

  • Einen unschönen Blick verdecken?

  • Den Garten mit der umliegenden Landschaft verbinden?

  • Wildtiere in unseren Rückzugsort einladen?

  • Freude und Lebendigkeit in den Garten bringen?

  • Dem Garten auch im Winter Struktur verleihen?

  • Für ganzjährige Wirkung sorgen?

  • Lebendige Akzente setzen, ohne unruhig zu wirken?

  • Sollen bestimmte Pflanzen als Blickfang dienen?


Erst wenn wir Antworten auf diese und viele andere praktische Fragen gefunden haben, können wir mit der Auswahl der Pflanzen beginnen.


Eine Bepflanzung funktioniert am besten, wenn jede Pflanze eine klare Aufgabe innerhalb der Gestaltung hat und mit dem gesamten Bepflanzungskonzept im Einklang steht.


2) Die Standortbedingungen ignorieren


Wir müssen darauf achten, Pflanzen auszuwählen, die unter den gegebenen Standortbedingungen nicht nur überleben, sondern auch gut gedeihen.


Es gibt keinen einzigen Standort, an dem die Bedingungen es zulassen würden, dass einfach jede Pflanze gut wächst.


Und manche Bedingungen können äusserst anspruchsvoll sein: sengende Hitze, Trockenheit, salzhaltiger Wind, sandiger Boden oder vielleicht Vollschatten, schwerer Lehmboden, regelmässige Überschwemmungen oder starker Frost.


Die Standortbedingungen zu verstehen ist daher grundlegend. Ein nach Norden ausgerichteter Garten begünstigt schattenverträgliche Waldpflanzen, während ein trockener Kiesgarten trockheitsverträgliche Arten benötigt. Schwere Lehmböden können für Sträucher geeignet sein, die feuchtere Bedingungen tolerieren, während viele naturnahe Staudenpflanzungen leichtere, gut durchlässige Böden bevorzugen.


Erfolgreiche Bepflanzung folgt dem einfachen, aber brillanten Prinzip, das die legendäre Beth Chatto schon vor vielen Jahren formuliert hat: die richtige Pflanze am richtigen Ort zu pflanzen.


Die Auswahl von Pflanzen, die für den Standort ungeeignet sind, führt oft zu schwachem Wachstum, ständigem Pflegeaufwand oder letztlich zum Absterben.


3) Zu viele verschiedene Pflanzen, zu wenig Bepflanzung


In einem gut gestalteten Garten werden Pflanzen nicht einfach deshalb gewählt, weil sie schön sind, und schon gar nicht, weil sie für sich allein gut wirken. Sie werden ausgewählt, weil sie im Garten gut gedeihen und weil jede Pflanze eine bestimmte Rolle im grösseren Gesamtbild übernimmt.


Probleme entstehen oft, wenn der Fokus auf einzelne Pflanzen verlagert wird.


Die Versuchung ist gross, im Gartencenter diesen einen hübschen, bläulich schimmernden Strauch zu kaufen, der sofort ins Auge fällt. Nur dieser eine.


Und dann beginnt es … Hier ein bläulicher Strauch, dort eine auffällig rosafarbene Staude. Und gleich daneben noch ein Apfelbaum.


Schon bald wirkt der Garten eher wie ein Sammelalbum einzelner Pflanzen als der harmonische Raum, den wir uns ursprünglich vorgestellt hatten.


Zu wenig Bepflanzung kann ebenso beunruhigend wirken. Schmale Beete und vereinzelte Pflanzen lassen einen Garten kleiner und weniger stimmungsvoll erscheinen, als er eigentlich sein könnte.


Scheuen Sie sich daher nicht, Pflanzflächen so grosszügig anzulegen, wie es der Garten zulässt. Breite Beete lassen einen Garten grösser, üppiger und einladender wirken.


Für das menschliche Auge wird ein Garten nicht Pflanze für Pflanze wahrgenommen, sondern als Gesamtkomposition.


Deshalb sollte sich die Bepflanzung nicht auf einzelne Exemplare konzentrieren, sondern auf Pflanzengruppen, die zusammenwirken. Wenn die Bepflanzung entweder zu fragmentiert oder zu spärlich wird, verliert der Garten an Kohärenz.


Erst eine durchdachte Pflanzkomposition lässt den Garten einheitlich, ausgewogen und stimmig wirken.


4) Pflanzen wählen, die für ihre Aufgabe nicht geeignet sind


Nicht alle Pflanzen erfüllen denselben Zweck.


Einige Pflanzen sorgen für Struktur. Bäume und immergrüne Gehölze bilden häufig das Grundgerüst und die langfristige Struktur eines Gartens, indem sie grüne Wände oder Sichtschutz schaffen.


Andere Pflanzen sorgen für saisonale Abwechslung. Stauden, Ziergräser und Blumenzwiebeln bringen Farbe und saisonalen Wechsel.


Manche Pflanzen wirken als Blickfang und ziehen durch eine markante Form, eine besondere Textur oder einen charakteristischen Wuchs die Aufmerksamkeit auf sich.


Andere übernehmen eine zurückhaltendere Rolle, bedecken den Boden, mildern Kanten und verankern höhere Bepflanzungen optisch.


Wenn Pflanzen Aufgaben übernehmen sollen, für die sie nicht geeignet sind, gerät eine Pflanzung schnell aus dem Gleichgewicht.


Eine zarte Staude kann die strukturelle Wirkung eines immergrünen Strauchs nicht ersetzen, genauso wenig wie ein niedriges, locker wachsendes Ziergras als wirksamer Sichtschutz funktionieren kann.


Werden Pflanzen dagegen mit klarer gestalterischer Funktion ausgewählt, wirkt eine Pflanzung deutlich stimmiger und überzeugender.


5) Sich nur auf Blüten zu konzentrieren


Wenn Menschen an Pflanzen denken, kommen ihnen meist zuerst die Blüten in den Sinn.


In der Pflanzgestaltung sollten sie jedoch nicht das wichtigste Element sein.


Blüten erscheinen oft nur für wenige Wochen, während die Gesamtform einer Pflanze das ganze Jahr über Teil des Gartens bleibt.


Eine Bepflanzung, die ihr gestalterisches Interesse ausschliesslich aus der Blüte bezieht, kann über grosse Teile des Jahres hinweg enttäuschend wirken.


Eine Pflanze, die nur wenige Wochen attraktiv ist, den Rest der Saison jedoch unauffällig oder sogar unattraktiv bleibt, ist besonders in kleineren Gärten nicht die beste Wahl.


Deshalb suchen Gartendesigner häufig nach Pflanzen, die mehr zu bieten haben als nur eine kurze Blütezeit.


Immergrünes Laub, interessante Rindentexturen, architektonische Formen, markante Wuchsformen oder attraktive Samenstände können den gestalterischen Wert einer Pflanze über das ganze Jahr hinweg verlängern.


Die Form, das Laub, die Textur und der Wuchs der Pflanzen haben im Garten eine deutlich längere visuelle Präsenz als ihre Blüten.


Bemerkenswerte Gärten lassen sich auch ganz ohne Blumen gestalten, indem man sich ausschliesslich auf Form, Textur und Laub stützt.


Grosse Blätter und grobe Strukturen ziehen zum Beispiel stärker Aufmerksamkeit auf sich und wirken optisch näher, während fein strukturierte Pflanzen leichter und weiter entfernt erscheinen.


Kugelförmige Pflanzen vermitteln Ruhe und Ausgeglichenheit, während aufrechte oder säulenförmige Formen Energie und Bewegung einbringen.


Atmosphäre und emotionale Wirkung können im Garten allein durch das Laub und die Pflanzenform entstehen.


Wenn wir diese Eigenschaften verstehen, können auch mit wenigen oder ganz ohne Blüten Gärten von grosser gestalterischer Qualität entstehen.


üppig grüne Sträucher mit einer hervorragenden Struktur und vielfältigen Grüntönen

6) Die Bedeutung von Balance in der Bepflanzung unterschätzen


Eine gelungene Bepflanzung entsteht nie zufällig. Hinter jedem ruhigen, stimmigen und natürlich wirkenden Garten stehen gestalterische Prinzipien, die die Auswahl und Anordnung der Pflanzen leiten.


In der Pflanzgestaltung spielt das Gleichgewicht zwischen Harmonie und Kontrast eine besonders wichtige Rolle.


Pflanzen mit ähnlichen Eigenschaften, etwa in Form, Textur oder Farbe, sorgen für Ruhe und optische Einheit. Und sorgfältig eingesetzte Kontraste verleihen dem Garten subtile Dramatik und bringen Spannung und Interesse in die Gestaltung.


Zu viel Ähnlichkeit kann einen Garten langweilig wirken lassen, zu viel Kontrast hingegen führt fast immer zu Chaos. Entscheidend ist das richtige Gleichgewicht.


Balance entsteht jedoch nicht nur durch das Wiederholen derselben Pflanzen. Sie kann auch durch die Kombination unterschiedlicher Pflanzen erreicht werden. So wirkt beispielsweise ein dichter, immergrüner Strauch optisch schwerer als eine zarte Laubpflanze gleicher Grösse.


Unsere Aufgabe besteht dann darin, diese visuellen Gewichte auszugleichen. Eine optisch schwere Pflanze benötigt möglicherweise mehrere kleinere Pflanzen, um ein Gegengewicht zu bilden. 


Diese visuellen Beziehungen sollten bei der Planung einer ausgewogenen Bepflanzung stets sorgfältig berücksichtigt werden.


7) Das jahreszeitliche Interesse im Garten ignorieren


Eine Bepflanzung sollte nicht nur danach beurteilt werden, wie sie im späten Frühling oder im frühen Sommer wirkt. Die meisten Gärten sehen zu dieser Jahreszeit gut aus.


Gärten werden jedoch das ganze Jahr über erlebt. Daher möchten wir, dass sie das ganze Jahr über schön sind.


Deshalb legen wir bei der Pflanzplanung grossen Wert auf Form, Textur, immergrüne Pflanzen, Rinde, Samenstände und sogar auf die ästhetische Wirkung getrockneter Pflanzen. All diese Eigenschaften tragen dazu bei, dass der Garten über die Jahreszeiten hinweg interessant bleibt.


Wir suchen daher nach fleissigen Pflanzen, die im Garten eine klare Aufgabe erfüllen. Pflanzen, die ihre Rolle gut erfüllen, stärken die Gesamtkomposition des Gartens und gedeihen zugleich unter den gegebenen Standortbedingungen.


Gerade in kleineren Gärten müssen Pflanzen oft mehr als eine Funktion übernehmen.


Ein Baum kann leichten Schatten spenden, im Frühjahr blühen und im Herbst Farbe zeigen. Ein immergrüner Strauch kann im Winter Struktur verleihen und im Frühjahr dennoch blühen. Ziergräser können im Sommer eine Pflanzung auflockern und ihre Form bis in die kälteren Monate hinein behalten, sodass ihr Laub auch dann noch interessant wirkt, wenn der Grossteil der Natur stillsteht.


Das Ziel einer gut durchdachten Pflanzgestaltung ist kein einmaliges Spektakel. Es ist Kontinuität.


Ein Garten sollte auch dann noch stimmig wirken, wenn eine Jahreszeit endet und die nächste beginnt.


8) Vergessen, dass Pflanzen wachsen


Im Garten unterscheiden wir zwischen Hardscape und Softscape. Während das Hardscape, also die baulichen Elemente, darauf ausgelegt ist, über Jahrzehnte hinweg zu bestehen und sich möglichst weder in der Stabilität noch im Erscheinungsbild zu verändern, ist die Softscape – die Bepflanzung – von ganz anderer Dynamik geprägt.


Die Bepflanzung ist lebendig, dynamisch und ständig verändernd. Pflanzen behalten nie die Größe, die sie bei der Anpflanzung hatten. Sie werden mit der Zeit höher und breiten sich aus.


Eine Pflanzung, die direkt nach der Anlage ausgewogen wirkt, kann schon wenige Jahre später überfüllt erscheinen, wenn die endgültige Grösse der Pflanzen nicht berücksichtigt wurde.


Eine gute Pflanzplanung antizipiert daher Veränderungen. Es berücksichtigt nicht nur das unmittelbare Erscheinungsbild der Pflanzen, sondern auch, wie sie sich entwickeln und miteinander interagieren, wenn der Garten heranreift.


9) Rhythmus und Wiederholung in der Pflanzplanung ignorieren


Rhythmus und Wiederholung gehören zu den wirkungsvollsten Mitteln in der Pflanzgestaltung.


So wie sich in der Musik durch wiederkehrende Töne ein Rhythmus bildet, entsteht auch im Garten durch die Wiederholung von Pflanzenformen oder Texturen eine visuelle Ordnung.


Wiederholung ermöglicht es dem Auge, sich ruhig durch die Pflanzung zu bewegen und dabei Rhythmus und visuelle Kontinuität wahrzunehmen.


Wenn ähnliche Pflanzen in wiederkehrenden Sequenzen im Garten erscheinen, entsteht ein Rhythmus, und das Auge beginnt, vertraute Formen zu erkennen.


Dieses Gefühl von Rhythmus ist gestalterisch äusserst wirkungsvoll. Es schafft Ruhe und hilft dabei, verschiedene Bereiche des Gartens miteinander zu verbinden.


Wiederholung bedeutet dabei keineswegs Langeweile oder Monotonie und schon gar nicht, dass überall dieselbe Pflanzenart verwendet wird. Oft lässt sich Wiederholung bereits durch ähnliche Formen oder Texturen erreichen.


10) Pflanzen wählen, die nicht zum Charakter des Gartens passen


Pflanzen prägen die Atmosphäre eines Gartens massgeblich.


Oft wecken sie zudem starke Assoziationen mit bestimmten Landschaften oder Stilen.


Probleme entstehen, wenn Pflanzen mit widersprüchlichen visuellen Eigenschaften ohne sorgfältige Überlegung miteinander kombiniert werden.


So kann eine Niwaki in einem Cottage-Garten fremd wirken, während üppige, exotische Pflanzen möglicherweise nicht zum Charakter eines zurückhaltenden ländlichen Gartens passen. Auch eine einzelne Silberbirke kann zwischen drei Olivenbäumen in Gefässen auf einer städtischen Terrasse schnell unpassend wirken.


Es ist ein wenig wie bei der Kleidung. Ein Smoking wirkt bei einem formellen Abendessen völlig passend, bei einer entspannten Strandparty jedoch fehl am Platz.


Ein Garten sollte als Ganzes stimmig wirken. Die Bepflanzung sollte daher die Stimmung und den Charakter des Gartens unterstützen und verstärken, niemals mit ihnen konkurrieren oder ihnen widersprechen.


Letztendlich geht es bei einer gelungenen Pflanzplanung nicht darum, die interessantesten Pflanzen zu finden. Es geht darum, die richtigen auszuwählen und sie als Teil einer grösseren Komposition zusammenwirken zu lassen.


 
 
bottom of page